Klappentext
In Bad Nauheim führt Direktor Kleeberger sein Hotel „Rastender Kranich“ seit Jahrzehnten als Refugium vor den Turbulenzen der Zeit. Die Ruhe droht gestört zu werden, als im Jahr 1920 im beschaulichen Kurort die Versammlung Deutscher Naturforscher mit über zweitausend Teilnehmenden ansteht. Die neue Relativitätstheorie hat die wissenschaftliche Gemeinde gespalten, und die beiden ärgsten Kontrahenten Albert Einstein und Philipp Lenard sind ausgerechnet im Rastenden Kranich einquartiert. Kleeberger wittert eine Chance: Wäre es nicht die beste Werbung für sein veraltetes Hotel, wenn er den Streit dort schlichten würde? Doch hinter fachlichen Differenzen lauern ungeahnte Abgründe, und der Tee, der im Rastenden Kranich einst Bismarck in den Schlaf wiegte, wird kaum ausreichen, um die Gemüter zu besänftigen. Zwischen Schlichtungsversuchen und dem Bemühen, es allen Gästen recht zu machen, entgleitet Kleeberger nach und nach die Kontrolle über sein Hotel.
»Zerstrittene Genies, eigensinnige Gäste und ein Hoteldirektor in Nöten – sensationell!« KRISTOF MAGNUSSON
- Autor: Daniel Mellem
- Verlag: Kein & Aber Verlag (9. Februar 2026)
- ISBN: 978-3036950877*
- Preis: 26,- Euro
Bewertung
„Einstein im Bade“ gehört zu jenen Romanen, die geschrieben beinahe zu konstruiert klingen – ein Kurhotel, Einstein, Relativitätstheorie – und funktionieren dann erstaunlich gut, weil sie das Ganze mit einem Augenzwinkern erzählen. Man bekommt keine schwere Wissenschaftsprosa. Stattdessen bietet der Roman eine kluge, unterhaltsame Geschichte über Menschen, Eitelkeiten und die Frage, wie jemand in einer unruhigen Zeit an der Vorstellung von Ordnung festhält.
Der Roman spielt im Kurhotel „Rastender Kranich“ in Bad Nauheim im Jahr 1920. Direktor Kleeberger stellt das Haus als Rückzugsort vor dem lauten Außenbereich dar. Genau dieser Ort soll nun Schauplatz eines Großereignisses sein: Tausende Gäste und prominente Vertreter der Relativitätsdebatte kommen zur Versammlung Deutscher Naturforscher. Albert Einstein bildet den schillernden Mittelpunkt, seine erbitterten Gegner begleiten ihn.
Mellem präsentiert diese Konstellation mit spürbarer Freude an Figuren sowie Dialogen: Der ehrgeizige Hoteldirektor schwankt zwischen wirtschaftlichem Kalkül und nervlicher Überforderung. Stammgäste sehen ihre gewohnte Kuridylle gegen ein Wissenschaftsspektakel getauscht. Wissenschaftler tragen ihre akademischen Konflikte plötzlich im Kurpark aber auch Speisesaal aus. Besonders reizvoll erscheint, wie der Roman das große Thema Wissenschaftsgeschichte im Kleinen spiegelt – in Missverständnissen, verletzten Egos und stillen Momenten im Baderaum oder auf den Fluren.
Einstein im Bade
Wer einen stark auf Physik fokussierten Roman erwartet, erlebt wahrscheinlich eine Überraschung: Die Relativitätstheorie bildet hier eher Hintergrundrauschen außerdem Konfliktauslöser als eigentlichen Gegenstand einer ausführlichen Erklärung. Der Fokus liegt klar auf Atmosphäre, Figurenbeobachtung und der Frage, wie ein Kurort zur Projektionsfläche für Fortschrittsbegeisterung als auch Fortschrittsangst dienen kann. Das macht den Roman auch für Leser attraktiv, die mit Naturwissenschaften wenig anfangen, aber Freude an historischer Kulisse und feinem Humor haben.
Dabei nimmt sich „Einstein im Bade“ genügend Zeit für leisere Töne: Hinter der Komik eines überforderten Hotels steckt immer auch eine Melancholie darüber, wie sich die Umgebung nach dem Krieg verändert hat und wie brüchig die Vorstellung von „Ruhe“ ist. Die Mischung aus historischen Anspielungen und fiktiven Elementen bleibt leichtfüßig und wirkt nicht beliebig. Man merkt dem Text an, er nimmt seine Figuren ernst, auch wenn er sie in manchmal wunderbar absurde Situationen schickt.
Mein Fazit
Insgesamt ist „Einstein im Bade“ ein atmosphärischer, stellenweise sehr amüsanter historischer Roman. Er erzählt Wissenschaftsgeschichte durch die Hintertür – über einen Kurort, ein Hotel am Limit und die Menschen, die plötzlich im Zentrum einer Debatte landen, die größer ist als ihr eigenes Leben. Wer Lust auf einen klugen, gut lesbaren Roman mit historischem Setting, feinem Witz und einem nicht ganz alltäglichen Blick auf Einstein und seine Zeitgenossen hat, liegt hier richtig.
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