Klappentext
- The Mind – Nominiert zum Spiel des Jahres 2018
- Inhalt: 2 x 60 Spielkarten, 1 Anleitung
- Alter: ab 8 Jahren, Spieler: 2-4, Dauer: ca. 15 Min
- Autor: Wolfgang Warsch
- Autor: Wolfgang Warsch
- Verlag: NSV Verlag
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- UVP: 11,40 Euro
Bewertung
Ich gebe es zu, gekauft habe ich „The Mind“ völlig ohne Plan. Ich bin an einem Regal im Gebrauchtwarenladen vorbeigelaufen, habe die kleine Schachtel gesehen, fand das Cover irgendwie ansprechend und habe einfach zugegriffen, ohne vorher irgendetwas über das Spiel zu wissen. Kein Blick auf die Rückseite, keine Rezension vorher gelesen, einfach mitgenommen. Im Nachhinein eine der besten spontanen Entscheidungen der letzten Zeit. Denn kaum zu Hause ausgepackt, war ich hin und weg.
Das Spielprinzip? Man sitzt mit Freunden am Tisch, hält Karten in der Hand und darf kein einziges Wort sagen, keine Geste machen, nicht mal die Augenbraue hochziehen. Und trotzdem soll die Gruppe es schaffen, Zahlen von 1 bis 100 in der richtigen Reihenfolge auf den Tisch zu legen. Klingt unmöglich? Genau das habe ich mir auch gedacht, bevor ich die Schachtel zum ersten Mal geöffnet habe.
The Mind
Die Regeln sind in dreißig Sekunden erklärt. Jeder Spieler bekommt Karten mit Zahlen zwischen 1 und 100, pro Level so viele wie die Levelnummer angibt. Ziel ist es, alle Karten der Gruppe in aufsteigender Reihenfolge auf den Ablagestapel zu legen, ganz ohne Absprache. Wer eine niedrigere Karte auf der Hand hat als die zuletzt gespielte, muss aufpassen, denn Fehler kosten ein Leben. Mehr braucht es nicht. Kein Brett, keine Sonderregeln, kein Kleingedrucktes. Genau diese Reduktion ist es, die mich sofort gepackt hat. Ich habe ähnliche Kooperationsspiele ohne Kommunikation schon gespielt, aber „The Mind“ fühlt sich noch konsequenter an, fast schon meditativ.
Was das Spiel wirklich besonders macht, ist das Gefühl beim Spielen selbst. Man starrt sich gegenseitig an, versucht am Atem oder am Zögern der Mitspieler ein Gefühl für den richtigen Moment zu bekommen. Ich habe mit meiner Spielgruppe Runden erlebt, in denen wir minutenlang wie erstarrt dagesessen haben, aus Angst, zu früh oder zu spät zu spielen. Und dann diese Erleichterung, wenn eine schwierige Karte doch noch am richtigen Platz landet. Wer dabei ein klassisches taktisches Kartenspiel mit viel Strategie erwartet, wird enttäuscht. Hier zählt Intuition, nicht Kalkül. Genau das macht „The Mind“ zu einem echten Gemeinschaftserlebnis, bei dem man sich am Ende eher wie ein eingespieltes Team fühlt als wie Gegner.
Ganz kritiklos bin ich allerdings nicht. Nach ein paar Dutzend Runden nutzt sich der Überraschungseffekt etwas ab, und ohne die höheren Levels der Erweiterung „The Mind Extreme“ wird es auf Dauer etwas dünn. Wer das Spiel nur gelegentlich auf den Tisch bringt, wird davon aber kaum etwas merken.
Mein Fazit
Nicht ohne Grund war „The Mind“ 2018 für den Spiel des Jahres nominiert und wurde später mit dem As d’Or als Jeu de l’Année ausgezeichnet. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ein spontaner Griff ins Regal eines Gebrauchtwarenladens mich zu einem meiner liebsten Spiele der letzten Jahre führt. Mittlerweile ist es bei mir eines der Spiele, die ich neuen Spielerinnen und Spielern als Erstes zeige, weil es so schnell erklärt ist und trotzdem jedes Mal für Gänsehautmomente sorgt. Absolute Empfehlung meinerseits, für gemütliche Abende genauso wie für Runden, die etwas Nervenkitzel vertragen können. Und falls ihr die Schachtel auch mal irgendwo im Second-Hand-Regal seht: zugreifen!
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