Danke, nicht gut

Klappentext

»Wenn man sich erst mal mit der Ameisigkeit des Daseins abgefunden hat, steht das Tor zur Freiheit offen.«

Die Welt quillt förmlich über von affektierten Dauerlächlern, Feel-good-Propheten und Inszenierungen des vermeintlich perfekten Lebens. Wer nicht glücklich ist, ist selbst schuld – schließlich könnte man ja einfach sein Mindset ändern. Doch das ist eine gefährliche Haltung: Sie blendet aus, dass Menschen einen Gutteil ihres Lebens nicht selbst beeinflussen können. »Good vibes only« ist eben nicht der Weisheit letzter Schluss. Doch wie bleibt man hoffnungsfroh, trotz aller Krisen im Leben? Ohne platten Optimismus und toxische Positivität?

Judith Werner und Franz Himpsl haben sich auf die Suche gemacht nach einem Grund zur Hoffnung, der auch nüchterne Skeptiker überzeugt. Und sie sind fündig geworden.

  • Autoren: Frank Himpsl, Judith Werner
  • Verlag: Kösel Verlag (27. September 2023)
  • ISBN: ‎978-3466348008*
  • Preis: 18,- Euro

Bewertung

Bewertung: 5 von 5.

„Danke, nicht gut“ von Franz Himpsl und Judith Werner bietet eine willkommene, ehrliche Alternative zu Parolen vom Typ „Good vibes only“ und positiven Mantras, die viele Menschen mehr unter Druck setzen als trösten. Das Buch verspricht nicht, jede Krise lasse sich nur mit den richtigen Gedanken lösen. Es fragt, wie Menschen einen realistischen, durchdachten Umgang mit den Zumutungen des Lebens finden – das schließt Angst, Scham, Überforderung und das Gefühl, es laufe gerade einfach nicht gut, ein.

Der Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass soziale Medien, Ratgeber aber auch Motivationscoaches eine Vorstellung vom ständig perfekten Leben verkaufen. Wer unglücklich wirkt, macht angeblich Fehler und könnte sich mit „positivem Denken“ jederzeit selbst aus jeder schwierigen Lage befreien. Himpsl und Werner zerlegen diese schädliche Positivität. Sie zeigen, wie diese Denkart Ungleichheiten in der Gesellschaft, Krankheiten, Zufälle und eigene Grenzen unsichtbar macht. Dadurch beschämt sie genau jene, die ohnehin Mühe haben. Die Autoren treten stattdessen für eine „reflektierte Gelassenheit“ ein. Sie befürworten, anzuerkennen, was sich nicht wegmachen lässt. Sie sprechen sich für kleine, machbare Schritte aus, deren Erfolg man selbst beeinflusst.

Danke, nicht gut

Das Buch bewegt sich stilistisch zwischen Essay, Philosophie und persönlicher Auseinandersetzung. Es bietet keine einfachen Fünf-Punkte-Pläne. Stattdessen enthält es viele kluge Gedankenexperimente, Anknüpfungspunkte aus Philosophie und Psychologie und Beispiele aus dem Alltag, in denen Leser sich wiedererkennen. Besonders stark wirken die Abschnitte, die klar benennen, wie Schuldgefühle („Mir geht es schlecht, das ist meine eigene Schuld“) und der Druck zur Selbstoptimierung zusammenhängen. Sie erklären, warum es befreiend sein kann, zu sehen: Wir haben nicht die Kontrolle über alles. Das macht „Danke, nicht gut“ zu einem Buch, das dazu anregt, mitzudenken, statt nur alles „durchzuoptimieren“.

Der Ton wird dabei nie zynisch. Himpsl und Werner suchen gezielt nach einer Form von Hoffnung, die nüchterne Skeptiker anspricht. Diese Hoffnung speist sich aus Verbundenheit, dem Teilen von Schwächen und kleinen, realisierbaren Veränderungen, nicht aus einem erzwungenen Dauerlächeln. Wer einen typischen Ratgeber voller Affirmationen erwartet, wird enttäuscht. Wer sich zwischen allgemeinen Krisen, privatem Stress und dem Optimierungswahn verloren fühlt, findet hier einen klugen, ruhigen Gegenentwurf, der weder beschönigt noch in Verzweiflung versinkt.

Mein Fazit

„Danke, nicht gut“ ist ein kluges, wohltuend ehrliches Sachbuch für alle, die vom Dauer-Optimierungsmantra erschöpft sind und nach einer Alternative zu „Good vibes only“ suchen. Es verspricht keine Wunder, sondern lädt zu reflektierter Gelassenheit ein – und genau das macht es so lesenswert.


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