Meine Familie, die AfD und ich

Klappentext

Wenn die Familie nicht mehr miteinander redet – eine Geschichte der Entfremdung

Leonie ist queer, politische Aktivistin, Historikerin – und Tochter eines AfD-Mitglieds. Tatsächlich wählen fast alle ihrer nahen Verwandten die Alternative für Deutschland. Bis sie die Reißleine zog und den Kontakt abbrach, hat sie deren Radikalisierungsprozess also hautnah miterlebt. Sie hatte einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDler*innen, die dachten, sie wären unter sich. Über Jahre hinweg hat sie zugehört, analysiert, mitdiskutiert. Vor allem aber musste sie erleben, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Vater Teil einer Bewegung wird, die sich gegen alle Werte richtet, die Leonie verkörpert.

Angesichts der Diskussionen über die aktuellen politischen Entwicklungen, über das Erstarken rechtskonservativer Ideologien vergessen wir manchmal, dass diese eben nicht nur auf wissenschaftlicher oder öffentlicher Ebene stattfinden: Die politischen Gräben ziehen sich auch durch Familien. Zu jedem Punkt im Wahlprogramm, zu jedem Verschwörungsmythos und populistischen Wahlplakat gibt es persönliche Geschichten, die sich überall in Deutschland abspielen. An Küchentischen, auf Familienfeiern, beim Grillen oder an Weihnachten. Leonie erzählt ihre eigene Geschichte hinter den Partei-Narrativen. Sie macht die Radikalisierung der letzten Jahre entlang ihrer persönlichen Familiengeschichte nachvollziehbar und legt die private Seite hinter der Radikalisierung der AfD und ihrer Mitglieder offen. Denn nichts ist so persönlich wie Politik.

Eine gesellschaftliche und politische Analyse und gleichzeitig die berührende Erzählung eines familiären Bruchs.

  • Autorin: Leonie Plaar
  • Verlag: Goldmann Verlag (10. September 2025)
  • ISBN: ‎978-3442320035*
  • Preis: 18,- Euro

Bewertung

Bewertung: 5 von 5.

Ein schmerzlich klares und sehr persönliches Buch über Rechtsextremismus im eigenen Wohnzimmer – erzählt von einer queeren Historikerin, deren nahestehende Familienmitglieder AfD wählen. Es liest sich gleichzeitig wie Familiengeschichte, politische Analyse und Protokoll einer langsamen Entfremdung.​

Leonie Plaar beschreibt, wie sie die Radikalisierung der eigenen Verwandtschaft über Jahre hinweg quasi aus der ersten Reihe erlebt: Gespräche, in denen sich Menschen „unter sich“ wähnen, Stammtischparolen, Verschwörungsmythen und schließlich offene menschenverachtende Aussagen. Besonders eindrücklich ist, wie sie zeigt, dass diese Entwicklung nicht abstrakt, sondern zutiefst privat ist – an Küchentischen, an Weihnachten, auf Familienfeiern.​

Stark ist das Buch dort, wo es ihre persönliche Betroffenheit mit analytischem Blick verbindet: Plaar ordnet Aussagen, Narrative und Strategien der AfD ein, benennt Desinformation und queerfeindliche Ideologie, ohne dabei je zu vergessen, dass es hier um ihren eigenen Vater und ihre „Herkunftsfamilie“ geht. Es entsteht ein Text, der weder in reines Fakten-Referat noch in bloßes Emotionalisieren kippt, sondern beides miteinander verschränkt.​

Das Buch bietet kein Happy End und keine einfache Lösung – und macht genau das sehr deutlich: Manchmal bleibt als konsequenter Schritt nur der Bruch, das klare „Nein“ zum Kontakt, um sich selbst zu schützen. Plaar versteht ihre Geschichte weniger als Scheitern, sondern als Aufruf, Grenzen zu ziehen, Ressourcen nicht endlos in aussichtslose Debatten zu stecken und stattdessen Wahlfamilien und Bündnisse zu stärken.​

Mein Fazit

Insgesamt ist „Meine Familie, die AfD und ich“ ein wichtiges, unangenehm aktuelles Buch, das die politische Lage in Deutschland aus der Perspektive derer beleuchtet, die zwischen Liebe, Loyalität und Selbstschutz zerrieben werden. Es eignet sich besonders für Leser:innen, die verstehen wollen, wie rechte Radikalisierung Beziehungen zerstört – und warum Widerspruch, Aufklärung und Rückzug manchmal gleichzeitig notwendig sind.


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