Klappentext
Schluss mit dem Täterschutz!
Der Fall Collien Fernandes hat Deutschland aufgerüttelt und wieder einmal schonungslos offengelegt, wie alltäglich männliche Gewalt gegen Frauen ist – und wie unzureichend das deutsche Rechtssystem betroffene Frauen schützt. Kristina Lunz und Düzen Tekkal wollen das nicht länger hinnehmen. Gemeinsam mit Ricarda Lang und mit der Unterstützung von mehr als 250 bekannten Frauen stellen sie 10 Forderungen gegen männliche Gewalt an die Bundesregierung. Sie starteten eine bundesweite Unterschriftenaktion, die binnen kürzester Zeit über 300.000 Menschen mobilisierte. Jetzt verleihen die Autorinnen ihren Forderungen Nachdruck und zusätzliche Tiefe: Klar und analytisch zeichnen sie den Status quo nach und formulieren die Veränderungen, die sie nun einfordern. Ihr Ziel ist es, sichtbar zu machen, was politisch möglich wäre, würde endlich konsequent gehandelt. Sie wollen aus der Wut heraus Veränderung schaffen. Frauenhass kommt aus allen Richtungen, deshalb ist Stillhalten, Schweigen und Abwarten für Frauen keine Option.
- Autorinnen: Kristina Lunz, Düzen Tekkal
- Verlag: Heyne Verlag (04. Juli 2026)
- ISBN: 978-3453219397*
- Preis: 16,- Euro
Bewertung
Es gibt Bücher, bei denen man schon vor dem Lesen weiß, dass man sie eigentlich nicht hätte lesen wollen. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil ihr Thema so schwer wiegt. „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ ist kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Der Titel ist eine klare Anklage und genau so direkt schreiben auch Kristina Lunz und Düzen Tekkal. Sie beschäftigen sich mit Frauenhass, Femiziden, Partnerschaftsgewalt und digitaler Gewalt und zeigen, dass es sich dabei nicht um voneinander getrennte Einzelfälle handelt.
Besonders eindringlich fand ich die Abschnitte über Deepfakes und sexualisierte Gewalt im Internet. Digitale Gewalt wird noch immer häufig unterschätzt, obwohl sie für Betroffene massive Folgen haben kann. Die Autorinnen machen deutlich, dass Politik, Justiz und Plattformbetreiber endlich konsequenter handeln müssen.
Die große Stärke des Buches liegt darin, dass es nicht bei der Analyse bleibt. Lunz und Tekkal formulieren zehn konkrete Forderungen. Es geht unter anderem um besseren Gewaltschutz, eine konsequentere Strafverfolgung, mehr Unterstützung für Betroffene und eine politische Strategie gegen männliche Gewalt.
Sprachlich ist das Manifest klar, wütend und trotzdem gut verständlich. Es handelt sich nicht um ein umfassendes wissenschaftliches Fachbuch, manche Themen werden eher angerissen. Dafür bringt das Buch die wichtigsten Zusammenhänge und Forderungen schnell auf den Punkt. Gerade diese direkte Form macht die Lektüre so eindringlich.
Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen
Was mir beim Lesen besonders wichtig erschien: Die Autorinnen betrachten Gewalt gegen Frauen nicht als privates Problem. Wenn Betroffene nicht ernst genommen werden, Schutz fehlt oder digitale Gewalt verharmlost wird, geht es um gesellschaftliche Strukturen.
Das Buch fordert deshalb nicht nur härtere Strafen, sondern auch Prävention, Bildung und einen grundlegenden Kulturwandel. Frauen sollen sich nicht ständig selbst schützen müssen, während Täter und Institutionen aus der Verantwortung entlassen werden.
Trotz des schweren Themas endet das Manifest nicht hoffnungslos. Lunz und Tekkal zeigen, dass Veränderung möglich ist, wenn politische Forderungen ernst genommen und von vielen Menschen unterstützt werden.
Mein Fazit
„Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ ist ein wichtiges und unbequemes Buch. Kristina Lunz und Düzen Tekkal benennen klar, wo der Gewaltschutz versagt, und formulieren konkrete Vorschläge für Veränderungen.
Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die verstehen wollen, warum Frauenhass, digitale Gewalt, Partnerschaftsgewalt und Femizide zusammengehören. Das Buch beruhigt nicht, sondern rüttelt auf. Genau das ist seine Stärke.
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