Klappentext
»Das Buch ist ein Segen für alle Eltern, die ihre Jugendlichen besser verstehen wollen.« Bob Blume
Die Pubertät ist eine turbulente Zeit voller Veränderungen – besonders für neurodivergente Jugendliche und für die Menschen, die sie begleiten. Mit ADHS treten Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme und Impulsivität oft noch deutlicher hervor. Wie geben wir Halt, ohne unseren Teenies den nötigen Freiraum zu nehmen?Aus dreifacher Perspektive schreibt Melanie Klefeldt: als erfahrene ADHS-Trainerin und Fachkraft für Autismus-Spektrum-Störungen sowie als selbst neurodivergente Mutter eines neurodivergenten Teenagers. Zugewandt, humorvoll und gut verständlich erklärt sie, was in Kopf und Herz von Jugendlichen mit ADHS in dieser Lebensphase geschieht. Sie bietet praktische Strategien für den Alltag und ordnet auch schwierige Themen wie Mobbing, riskantes Verhalten und Medikamente fundiert ein. Sie gibt verständnisvolle und konstruktive Antworten auf die drängendsten Fragen wie zum Beispiel:
Wie sprechen wir mit Teenies über ihre Symptome und ihre (mögliche) Diagnose?
Wie gehen wir mit Bildschirmmedien und dem ADHS-bedingt erhöhten Suchtrisiko um?
Wie arbeiten wir am besten mit Lehrkräften an der weiterführenden Schule zusammen?
Für alle, die neurodivergente Jugendliche in einer intensiven, herausfordernden und wichtigen Lebensphase verstehen und stärken wollen.
- Mit praktischen Alltagstipps, Techniken zur Stressbewältigung und einer Ressourcenliste
- Wertschätzende Ansprache und praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Hilfestellungen
- Autorin: Melanie Klefeldt
- Verlag: Kösel Verlag (25. Februar 2026)
- ISBN: 978-3466312474*
- Preis: 18,- Euro
Bewertung
Pubertät ist selten ein Spaziergang. Wenn dann noch ADHS dazukommt, kann sich der Familienalltag schnell anfühlen wie ein Dauertest für Nerven, Geduld und Kommunikationsfähigkeit. Genau hier setzt Melanie Klefeldt mit ihrem Buch „Ich lass dich los und geb dir Halt“ an und trifft damit einen Nerv, den viele Eltern von neurodivergenten Teenagern gut kennen dürften.
Die Autorin schreibt aus einer bemerkenswert glaubwürdigen Doppelperspektive. Sie ist nicht nur erfahrene ADHS-Trainerin und Fachkraft für Autismus-Spektrum-Störungen, sondern auch selbst spät diagnostiziert und Mutter eines neurodivergenten Teenagers. Das verleiht dem Buch etwas, das in Ratgebern leider nicht selbstverständlich ist: Es wirkt nicht abstrakt, nicht distanziert und auch nicht belehrend. Stattdessen entsteht beim Lesen das Gefühl, von jemandem begleitet zu werden, der die Überforderung kennt, ohne sie zu dramatisieren.
Besonders angenehm ist der Ton. Klefeldt erklärt wohlwollend, verständlich und mit einer Prise Humor, was in der Pubertät im Kopf und im Herzen von Jugendlichen mit ADHS passiert. Dabei geht es nicht nur um Symptome, sondern auch um Selbstbild, Beziehung, Orientierung und die Frage, wie Eltern Halt geben können, ohne ständig in Kontrolle zu verfallen. Gerade dieser Gedanke ist für viele Familien zentral: Nicht jeder Konflikt braucht sofort eine Erziehungslösung, manchmal braucht es zuerst Verständnis.
Ich lass dich los und geb dir Halt
Stark ist das Buch vor allem dort, wo es aus dem Bauchgefühl vieler Eltern einen sachlichen Rahmen macht. Themen wie Medikationsfragen, professionelle Abklärung, Mobbing, riskantes Verhalten, digitale Überstimulation und das erhöhte Suchtrisiko werden nicht als Schreckensliste behandelt, sondern fundiert und alltagsnah eingeordnet. Das nimmt Druck, ohne Probleme kleinzureden. Genau diese Balance ist selten und wertvoll.
Was ich an einem solchen Buch immer besonders schätze, ist die Frage, ob es wirklich im Alltag hilft. Hier scheint Klefeldt keine Wunder zu versprechen, sondern konkrete Strategien und eine klare Haltung anzubieten. Das ist sympathisch und seriös zugleich. Denn Eltern neurodivergenter Teenager brauchen selten noch mehr Perfektion, sondern eher einen verlässlichen Kompass. Dieses Buch will offenbar genau das sein.
Natürlich ist das kein Titel für eine schnelle Abendlektüre nebenbei. Wer sich darauf einlässt, bekommt eher ein praxisorientiertes Begleitbuch als eine leicht verdauliche Wohlfühllektüre. Aber das passt zum Thema. Pubertät mit ADHS ist komplex, und ein gutes Buch darf das auch sein. Die Stärke von Klefeldts Ansatz liegt darin, dass sie Loslassen und Begleiten nicht als Gegensätze beschreibt, sondern als zwei Seiten einer tragfähigen Beziehung.
Insgesamt hinterlässt „Ich lass dich los und geb dir Halt“ den Eindruck eines ehrlichen, warmherzigen und fachlich soliden Ratgebers, der Eltern nicht beschämt, sondern stärkt. Wer ein Buch sucht, das ADHS in der Pubertät nicht nur erklärt, sondern Beziehung als Lösungsmöglichkeit ernst nimmt, dürfte hier gut aufgehoben sein.
Fazit
„Ich lass dich los und geb dir Halt“ ist ein kluger, empathischer und praxisnaher Ratgeber für Eltern von Teenagern mit ADHS. Melanie Klefeldt verbindet Fachwissen mit persönlicher Erfahrung und trifft damit einen Ton, der verständlich, zugewandt und hilfreich ist. Für Familien, die Orientierung statt Druck suchen, ist dieses Buch eine starke Empfehlung.
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